Die Geschichte der Rennbahn

Seit 1858 Galopprennen in Iffezheim

Geschichte

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts galoppieren die Vollblüter über das Geläuf der Galopprennbahn Baden-Baden · Iffezheim, die auf Initiative von Edouard Bénazet vor den Toren Baden-Badens gebaut wurde. Die erste Siegerin hieß am 5. September 1858 Amazone, die im „Preis vom Schloß Favorite“ allerdings alleine antrat. Drei Renntage umfasste das Eröffnungs-Meeting, der erste „Grosse Preis von Baden“ wurde von der dreijährigen Stute La Maladetta gewonnen.

In der langen Turfgeschichte durchlebte die Rennbahn so manche Höhen und Tiefen. Der deutsch-französischen Krieg 1870/71 beendete die Gründungsphase. 1872 trat der in Baden-Baden gegründete Internationale Club als Veranstalter auf den Plan. Erster Präsident wurde Fürst Carl Egon zu Fürstenberg, der erste Renntag wurde am 1. Mai 1873 veranstaltet, im August des Jahres folgte dann die Rennwoche mit vier Meetingstagen.

Zwei Weltkriege sorgten für längere Rennpausen: Die erste von 1914 bis 1920. Am 26. August 1921 ging es weiter, der legendäre Jockey Otto Schmidt gewann mit Ossian den Grossen Preis von Baden. Die zweite Pause kam mit dem Zweiten Weltkrieg. 1940 fielen die Rennen aus, 1941 gab es noch einmal vier Renntage, danach war in Iffezheim Schluss bis zum 24. August 1951, dem Beginn eines auf drei Renntage ausgelegten Meetings. Die Internationalen Galopprennen zu Baden-Baden entwickelten sich in den Folgejahren immer mehr zum Paradeplatz des Galoppsports in Deutschland. 1963 wurde im Rahmen der Grossen Woche erstmals eine Jährlingsauktion durchgeführt, aus der sich die führende Baden-Badener Auktionsgesellschaft entwickelte, die ihren Sitz neben der Rennbahn in Iffezheim hat.

Im Mai 1972 wurde das Frühjahrs-Meeting mit drei Renntagen eingeführt und mit ihm eine zweite Vollblutauktion. Rennen und Auktion gehören zusammen – nach diesem Prinzip verfuhr man auch 2004, als durch den Bau der Bénazet-Tribüne das Sales & Racing Festival und die Herbstauktion im Oktober das Angebot vervollständigten. Der Internationale Club aber hatte sich finanziell übernommen und musste 2009 Konkurs anmelden.

Im Juni 2010 übernahm Baden Racing die Rennbahn und führte im August erstmals die GROSSE WOCHE  und dann im Oktober das SALES  & RACING FESTIVAL durch. 2011 gab es die erste volle Saison mit drei Veranstaltungen, inklusive FRÜHJAHRS-MEETING. 2016 unterzeichnete Baden Racing einen Pachtvertrag über 20 Jahre.

Weshalb Galopprennen?

Galopprennen sind die wie für andere Nutztierrassen vom Staat gesetzlich vorgeschriebenen Leistungsprüfungen – mit dem Ziel, eine erfolgsorientierte Tierzucht zu ermöglichen. Nur mit denjenigen, die dem Zuchtziel entsprechen, soll künftighin weiter gezüchtet werden. Wer dem Zuchtziel des Vollblutpferdes/Galopprennpferdes am besten entspricht, darüber gibt der Zielpfosten auf der Rennbahn Auskunft. Deshalb die Rennen.

Daneben hat sich der Galoppsport zu einem populären Freizeitvergnügen für die Bevölkerung entwickelt, bei dem die Zuschauer durch das Wetten die Möglichkeit zu einer unmittelbaren Beteiligung am sportlichen Geschehen haben.

Hall of Fame

Drei Siege im Grossen Preis von Baden, dem sportlichen Höhepunkt der Galopprennen in Iffezheim seit 1858, haben bislang nur zwei Pferde geschafft und sie führen natürlich die „Hall of Fame“ an – Kincsem (1877 – 1879) und Oleander (1927 – 1929). Nach diesen beiden Pferden sind die Türme der Iffezheimer Tribüne benannt.

Kincsem

Die ungarische Stute Kincsem gilt vielen Experten als das erfolgreichste Pferd aller Zeiten. Im Lauf ihrer vierjährigen Rennkarriere startete sie 54mal und wurde nie bezwungen. Nur in Baden-Baden war sie einmal am Rande einer Niederlage. Im Grossen Preis von Baden von 1878 auf tiefem Boden erzwang der Herausforderer Prince Giles I ein totes Rennen. Im Entscheidungslauf war die Stute aber nicht zu bezwingen. Es war der zweite von drei Erfolgen im Badener Grand Prix, im folgenden Jahr schaffte sie den Hattrick „nach hartem Kampf“ gegen Künstlerin. Im Gestüt hatte Kincsem nur eine kurze Laufbahn. Sie starb an ihrem 13. Geburtstag am 17. März 1887, nach einem Kolikanfall.

Oleander

Der Fuchshengst aus der Zucht des Gestüt Schlenderhans gewann den Grossen Preis von Baden 1927 bis 1929. Bei seinem ersten Erfolg musste er noch gegen den französischen Gast Sac a Papier hart kämpfen, die beiden anderen Siege schaffte der Hengst leicht und locker. Oleander gilt als das erste in Deutschland gezogene Pferd mit großem internationalem Format, auch wenn ihm ein Erfolg im Prix de l’Arc de Triomphe versagt blieb. Seine Lebensgewinnsumme wurde in Deutschland erst 1968 von Luciano übertroffen. Oleander war jedoch nicht nur ein überragendes Rennpferd, er vererbte sein Talent auch weiter. 9 gewann er das Championat der Vaterpferde in Deutschland.

Drei Siege im Gruppe-Rennen

Um die Leistungsprüfungen international besser vergleichbar zu machen, wurde das System der Gruppe-Rennen geschaffen – vom sportlichen Stellenwert vergleichbar mit den europäischen Fußball-Wettbewerben. In Deutschland wurden die Gruppe-Rennen, die in drei Kategorien aufgeteilt sind, 1973 eingeführt. Seit dem haben folgende Pferde jeweils drei Gruppe-Rennen in Baden-Baden gewonnen.

Danedream (Lomitas – Danedrop)

2011: Longines Grosser Preis von Baden (Gr.1)
2012: Longines Grosser Preis von Baden (Gr.1)
2012: Grosser Preis der Badischen Unternehmen (Gr.2)

Die Geschichte der Stute Danedream klingt nach einem Märchen: Als “Spaßpferd” kaufte sie die Familie Volz aus Achern für 9.000 Euro auf der Frühjahrsauktion der BBAG 2010 vom Züchter Gestüt Brümmerhof, weil niemand sie haben wollte. Sie blieb aber im Trainingsstall von Peter Schiergen. Zweijährig gewann sie ein Rennen in Wissembourg und wurde immerhin Dritte im Preis der Winterkönigin(Gr.3) in Iffezheim.

Als Dreijährige legte sie 2011 eine Weltkarriere hin: Sieg in den italienischen Oaks (Gr.2), Sieg in Berlin (Gr.1) und der erste Sieg im Longines Grosser Preis von Baden (Gr.1). Danach kam dann der Triumph im Prix de l’Arc de Triomphe (Gr.1), dem wichtigsten Galopprennen der Welt, stets geritten von Andrasch Starke. Inzwischen hatte der Japaner Teruya Yoshida 50 Prozent der Stute für einen Millionenbetrag gekauft.

Im Juli 2012 gewann Danedream als erstes deutsches Pferd überhaupt die King George VI and Queen Elizabeth Stakes (Gr.1) in Ascot. Zuvor hatte sie den Grossen Preis der Badischen Unternehmen (Gr.2) im Frühjahrs-Meeting geholt. Im September verteidigte sie ihren Titel im Longines Grosser Preis von Baden mit einer kämpferischen Leistung. “Sie ist eine Wunderstute, die niemals aufgibt”, schwärmte Peter Schiergen. Und Andrasch Starke fügte an: “Sie hat mir unglaublich viel gegeben. Es ist etwas ganz Besonderes, ein Pferd wie sie reiten zu dürfen.”

Acatenango (Surumu – Aggravate)

1987 Grosser Preis von Baden (Gr. 1, 2.400m)
1986 Grosser Preis von Baden (Gr. 1, 2.400m)
1986 Grosser Preis der Badischen Wirtschaft (Gr.2, 2.200m)

Der 1982 geborene Acatenango aus dem Gestüt Fährhof gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Pferden, die Deutschland je sah. Sein erstes Rennen in Iffezheim bestritt der von Heinz Jentzsch trainierte Hengst als Zweijähriger. Im Preis von Eberstein wurde er Dritter. 1984 stand er noch im Schatten des Winterfavoriten Lirung, als Dreijähriger sollte sich das ändern. Er gewann alle sechs Starts des Jahres, darunter Union, Derby und Aral-Pokal. In Iffezheim trat er allerdings erst 1986 an. Er holte sich das Hauptereignis des FRÜHJAHRS-MEETINGS, ging dann nach Paris, um den Grand Prix de Saint-Cloud zu gewinnen. Nach dem Erfolg im Grossen Preis von Baden erlitt Acatenango dann im Prix de l’Arc de Triomphe nach 12 Siegen in Folge seine erste Niederlage. Er wurde hinter Dancing Brave im vielleicht am stärksten besetzten Arc der Nachkriegszeit. 1987 verteidigte Acatenango seinen Titel im Grossen Preis von Baden.

Prince Flori (Lando – Princess Liberte)

2006 Grosser Preis von Baden (Gr.1)
2007 Grosser Merceded Preis (Gr.2)
2008 Preis der Sparkassen-Finanzgruppe (Gr.3)
Der von Heinz A Wacek gezüchtete Lando-Sohn Prince Flori sorgte 2006 für die große Sensation: Als 274:10-Außenseiter gewann der damals 3-jährige Hengst mit Filip Minarik den Grossen Preis von Baden vor Oriental Tiger und Saddex. Damals war der Grand Prix noch Teil der inzwischen wieder eingestellten World Racing Championships und trug ein Gesamtpreisgeld von 750.000 Euro. Im folgenden Jahr bewies der von Sascha Smrczek in Düsseldorf trainierte Prince, dass der Erfolg keine Eintagsfliege war. Gegen Egerton und Schiaparelli holte er mit Adrie de Vries im Sattel das Hauptrennen des Frühjahrs-Meetings, ein Gruppe 2-Rennen über 2.200m. 2008 machte er die Sammlung komplett und schnappte sich mit dem Preis der Sparkassen-Finanzgruppe auch noch ein Gruppe 3 – Rennen.

Lucky Strike (Petong – Urania)

2004 Bénazet-Rennen (Gr.3)
2005 Bénazet-Rennen (Gr.3)
2007 Bénazet-Rennen (Gr.3)

Viele Jahre beherrschte Lucky Strike die Sprinterszene in Deutschland – der ganz große Wurf, der Gewinn der Goldenen Peitsche blieb im allerdings verwehrt. 2005 kam der in England gezüchtete Petong-Sohn zwar als Erster ins Ziel, wurde wegen Behinderung aber hinter Striking Ambition gesetzt, eine umstrittene Entscheidung. 2003 und 2004 war Lucky Strike im Besitz der Lucky Stables International schon jeweils Dritter in der wichtigsten deutschen Fliegerprüfung geworden. Doch im Bénazet-Rennen (Gr.3, 1.200m), dem Topsprint des Frühjahrs-Meetings, hielt sich der Schützling von Andreas Trybuhl schadlos: 2004, 2005 und 2007 trug er sich in die Siegerliste ein, stets geritten von Adrie de Vries.

Wiesenpfad

2007: Preis der Sparkassen-Finanzgruppe (Gr.3)
2008: Badener Meile (Gr.3)
2009: Preis der Sparkassen-Finanzgruppe (Gr.3)

Der Waky Nao Sohn, gezüchtet im Gestüt Ravensberg, im Besitz von Heide Harzheim, war stets ein Publikumsliebing in Iffezheim. Seine drei Gruppe-Erfolge in den Jahren 2007 bis 2009 wurden groß gefeiert. Im Preis der Sparkassen-Finanzgruppe (Gr.3, 2.000m) während der GROSSEN WOCHE war Wiesenpfad zweimal erfolgreich, 2008 schob er die Badener Meile (Gr.3, 1.600m) im FRÜHJAHRS-MEETING dazwischen. 2007 und 2008 ritt in Adrie des Vries, 2009 saß Andreas Suborics im Sattel des großen Kämpfers. Trainiert wurde Wiesenpfad von Waldemar Hickst.